ESOC
Elsa Montagnon
Die gebürtige Französin Elsa Montagnon kam 1999 als Young Trainee zum ESOC, dem European Space Operation Centre und Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Heute ist sie als Spacecraft Operations Manager für die Merkur Mission Bepi Colombo der ESA verantwortlich. An der Engineering Region liebt sie unter anderem die wunderbaren Musik-Festspiele, wie die jährlich stattfindenden Residenzfestspiele in Darmstadt.

persönliche Daten
Geburtsdatum und -ort:
22 Oktober 1976, Dijon (Frankreich)
Familienstand:
ledig
Studium:
Maschinenbau-Ingenieur, doppel-diplomiert
(Ecole Centrale Paris, TU München)
Berufliche Stationen:
ESA/ESOC, Darmstadt
- Oktober 1999: bei ESA angefangen, als Young Graduate Trainee im Rosetta Flight Control Team
(Rosetta ist eine Kometen-Mission der ESA, die im März 2004 gestartet gestartet ist)
- September 2000: von ESA eingestellt, als Spacecraft Operations Engineer im Rosetta Flight Control Team
- Januar 2007: Spacecraft Operations Manager für BepiColombo (Merkur Mission der ESA, in Kollaboration mit JAXA (japanische Raumfahrtagentur), wird im Juli 2014 starten)
Interview
1. Wann sind Sie zum ersten Mal in die Region gekommen und wie war damals Ihr erster Eindruck?
Ich kam zum ersten Mal als Jugendliche 1988 nach Hessen. Dijon ist eine Partnerstadt von Mainz, und Deutsch war die erste Fremdsprache, die ich in der Schule gelernt habe. Wir haben einen Schüleraustausch mit einem Gymnasium in Mainz gemacht. Es war toll in Deutschland zu sein und die deutsche Sprache zu benutzen. Ich kann mich daran erinnern, den Rhein mit der Partnerfamilie überquert zu haben und 'drüben' in Wiesbaden gewesen zu sein. Ich habe aber kaum gemerkt, dass ich auf einmal in Hessen bin.
Zehn Jahre später, 1998, habe ich ein Praktikum bei der ESA/ESOC gemacht. Es war Winter, kalt und grau. Ich war Student in München und ich fand Süddeutschland toll. ESOC hat mich in dieser Zeit beeindruckt, ich hätte nie erwartet in einer Stadt wie Darmstadt ein Zentrum wie ESOC zu finden. Das ist wahrscheinlich mein erster bewusster Kontakt mit Hessen gewesen.
2. Wie würden Sie die Region heute beschreiben?
Heute finde ich Frankfurt spannend. Die Stadt wirkt freundlich und modern zugleich und ich gehe gerne dahin. In Darmstadt zu leben ist angenehm, es gibt wunderschöne Ecken und alles ist leicht erreichbar. Die Natur ist nie weit. Hessen ist zentral, nicht weit von Frankreich, und wenn das nicht reicht, dank des Frankfurter Flughafens bestens mit der Welt verbunden.
3. Welche sind Ihre Lieblingsplätze in der Region und was unternehmen Sie hier gerne?
Mein Haupthobby ist Chorsingen. Ich verbringe also viel Zeit mit Proben und habe noch viel in der Region zu entdecken, den Norden zum Beispiel. In Darmstadt mag ich die Rosenhöhe, in Frankfurt das Mainufer und die Museen (Schirn, MMK, Museum für Angewandte Kunst). Ich wandere gerne im Taunus oder an der Bergstrasse.
Es gibt wunderbare Musik-Festspiele in der Region. Manche weltbekannt, wie die Rheingauer Musikfestspiele, andere weniger, wie vielleicht die Residenzfestspiele in Darmstadt.
Ich studiere seit ein paar Jahren Japanisch und freue mich deswegen besonders, dass Frankfurt so eine große japanische Gemeinschaft hat.
4. Geheimtipps
- die Weinwanderung am 1. Mai an der Bergstrasse
- die Weihnachtskonzerte des Konzertchor Darmstadts
- ein Besuch der ESA/ESOC mit Proregio
- ein Besuch bei der Sternwarte in Heppenheim
5. Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?
Als ich mit dem Ingenieurstudium angefangen habe, habe ich mich gefragt, was ich damit eines Tages machen will und mich für fliegende Objekte entschieden: Luft- und Raumfahrttechnik. Als ich 1998 zu ESOC gekommen bin, habe ich gleich gewusst, dass ich genau das machen möchte.
6. Werdegang
- Oktober 1999: bei ESA angefangen, als Young Graduate Trainee im Rosetta Flight Control Team (Rosetta ist eine Kometen-Mission der ESA, die im März 2004 gestartet ist)
- September 2000: von ESA eingestellt, als Spacecraft Operations Engineer im Rosetta Flight Control Team
- Januar 2007: Spacecraft Operations Manager für BepiColombo (Merkur Mission der ESA, in Kollaboration mit JAXA (japanische Raumfahragentur), wird im Juli 2014 starten)
7. Was fasziniert Sie an Ihrer jetzigen Position als Spacecraft Operations Manager im ESOC?
Als SOM beschäftigt man sich mit extrem vielen unterschiedlichen Themen, und mit vielen Menschen. Man muss gleichzeitig dazu fähig sein, tief in technische Details gehen zu können und den Überblick zu behalten. Es ist manchmal anstrengend, aber meistens spannend. Dabei gibt es viel zu lernen. Mir gefällt außerdem, dass ich den Anfang der Satellitendesignphase miterlebe und dass ich die Entwicklung des Bodensegments mitbestimme. Dabei werde ich die Konsequenzen meiner Entscheidungen im Flug erleben können. Es werden Fehler dabei sein, aber es werden meine Fehler sein. Das finde ich sehr motivierend.
In meinem Job kann man nicht wirklich von Alltag reden. In dieser Phase verfolgen wir das Design vom Satelliten und Instrumente. Wir analysieren, was wir für Bodensysteme brauchen werden, was wir wieder benutzen können, und was neu gedacht/entwickelt werden soll. Es wird viel gelesen und viel diskutiert, intern, mit den ESA-Kollegen, die das Projekt leiten, mit unseren industriellen Partnern und mit den Wissenschaftlern, die ihre Instrumente am Satelliten fliegen lassen werden.
Im Moment ist das BepiColombo Flight Control Team noch klein, ab nächstes Jahr beginnen wir langsam mit dem Teamaufbau in Vorbereitung für den Start 2014. Ich bin dafür verantwortlich. Diese Aufgabe ist sehr kritisch, weil der Erfolg einer solchen Mission vom Team abhängt und auch weil so eine Mission eine große Rolle im Leben der Menschen spielt. Manche Ereignisse, wie der Start, sind unvergesslich, kosten aber extrem viel Arbeit und Nerven. Wenn es dann fliegt, muss man aber immer dabei sein. Geht alles gut, macht es Spaß und man kann schon manchmal vergessen, wie einmalig solch eine interplanetarische Mission ist. Geht was schief, müssen alle alles geben. Das Team soll darauf vorbereitet, trainiert und eingespielt sein und das gehört zu meinen Aufgaben.
Privat geht es hauptsächlich darum, die Balance zu halten. Familie, Freunde und Musik sind dabei unheimlich wichtig.
8. Wenn Sie in die Zukunft schauen, wo sehen Sie sich und welches Potential schreiben Sie der Region zu?
Meine Zukunft hängt im Moment eng mit der Entwicklung BepiColombo's zusammen: Ich sehe mich gerne 2014 im Kontrollraum der ESOC beim Start. Das Leben in der Region ist angenehm und ich kann mir im Moment keinen besseren Ort zum Leben vorstellen. Die Region ist dynamisch und freundlich zu Neu-Ankommenden.