Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Kinder, Krippe und Karriere
Wohin mit dem Nachwuchs, wenn Mutter und Vater bei der Arbeit sind? Früher fanden viele Familien keine Antwort auf diese Frage. Doch seit einigen Jahren holt Deutschland in Sachen Kinderbetreuung mächtig auf. Auch in der Region DARMSTADT RHEIN MAIN NECKAR wächst die Zahl der Krippen und Ganztagsschulen stetig.
Nur wenn Eltern eine Betreuung für ihr Kind haben, können sie schon bald nach der Geburt wieder in den Beruf einsteigen. Und nur Mitarbeiter, die ihren Nachwuchs gut aufgehoben wissen, sind im Büro konzentriert bei der Sache. Denn sitzt der Mutter die allzu frühe Schließzeit der Kita im Nacken, leidet darunter auch die Arbeit.
Deutschland kommt "in die Pötte"
Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch hinter den skandinavischen Ländern und Frankreich her. Doch die Fortschritte sind inzwischen greifbar, die Zahl der Krippenplätze steigt rasant. 2002 gab es in den westdeutschen Bundesländern für noch nicht einmal drei Prozent der Kinder einen Krippenplatz, fünf Jahre später lag die Quote schon bei fast acht Prozent. Dass die Tendenz weiter steigend ist, liegt am Tagespflegeausbaugesetz, nach dem bis zum Jahr 2010 die Kleinkinderbetreuung bedarfsgerecht ausgebaut werden soll. Jährlich werden dafür bundesweit 1,5 Milliarden Euro investiert. Ab 2013 haben Eltern schon vom ersten Geburtstag ihres Kindes an einen Rechtsanspruch auf Betreuung, wie er derzeit nur für über Dreijährige gilt.
Der Nachholbedarf in der Kleinkinderbetreuung spiegelt sich auch in einer Bestandsaufnahme für die Wissenschaftsstadt Darmstadt aus dem Jahr 2002 wieder. Damals suchten zehn Prozent der befragten Eltern von Kleinkindern einen Betreuungsplatz, wurden aber nicht fündig. Ein weiteres Viertel hatte zwar eine Lösung gefunden, fand sie jedoch nicht ausreichend.
Flexible Betreuungszeiten
Derzeit stehen auf der Liste der Stadt Darmstadt vier städtische Krippen und 31 in freier Trägerschaft von Vereinen, Kirchen und Wohlfahrtsverbänden. Dazu gehört auch die Betriebskrippe der Firma Merck. Die Telekom AG ist ein weiteres Unternehmen, das in Darmstadt in den vergangenen Jahren Betreuungseinrichtungen für seine Mitarbeiter eröffnet hat. Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf trägt dabei auch die Öffnungszeit bei, die in der Telekom-Krippe T-Pünktchen erst um 18 Uhr endet.
Auch die Kommunen unterstützen Eltern dabei, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen: Die Gemeinde Büttelborn beispielsweise führte vor zwei Jahren ein, dass Eltern die Kindergartenzeiten ihrer Kinder flexibel auf ihre Arbeitszeiten abstimmen können. So kann der Nachwuchs etwa an machen Tagen nur vormittags in den Kindergarten gehen, an anderen Tagen bis 17 Uhr. Die erste städtische Krippengruppe hat in Büttelborn Anfang 2005 eröffnet. Auch in den anderen Kommunen der Region zeigt das Tagespflegeausbaugesetz Wirkung. So gab es im Odenwaldkreis noch vor wenigen Jahren kaum Betreuungsplätze für Kleinkinder. 2005 waren es erst 22 Plätze in zwei Krippen in Erbach und Breuberg, sowie kreisweit 48 weitere Plätze in altersgemischten Kita-Gruppen. Außerdem wurden rund zwei Dutzend Kleinkinder von Tagesmüttern betreut.
Seitdem hat sich die Zahl der Betreuungsplätze im Odenwaldkreis mehr als verdoppelt. Aktuell werden im Odenwaldkreis 160 Kinder in altersgemischten Kita-Gruppen oder Krippen betreut. Und der Ausbau des Betreuungsangebots geht in großen Schritten weiter: Rund 120 Betreuungsplätze sollen im Odenwaldkreis noch bis zum Jahreswechsel hinzu kommen, noch einmal 116 neue Plätze für Kinder unter drei Jahren 2009 entstehen.
Doch nicht nur die Betreuungslandschaft für die Jüngsten verbessert sich. Auch das Angebot für Schulkinder wird in jüngster Zeit merklich ausgebaut. So hat sich die Zahl der Ganztagsschulen in Hessen in den vergangenen neun Jahren mehr als verdoppelt. Eine Entwicklung, die auch in der Region DARMSTADT RHEIN MAIN NECKAR dazu beiträgt, dass Mitarbeiter nicht mehr zwischen Kindern und Karriere wählen müssen. Bereichert wird die Schullandschaft in der Region auch durch die internationale Schule im Schuldorf Bergstrasse, die Eltern berufliche Mobilität über Ländergrenzen hinweg erleichtert.
